14. November 2007

CO2-Ausgleich für Flug-Reisen

Von: Kiki

Anfang Oktober flog ich geschäftlich für eine Woche in die USA. Als CO2-Ausgleich für diesen langen Flug, habe ich mich mal im Internet umgeschaut, wo ich einen „Ablassbrief“ für meine CO2-Emission kaufen kann.

CO2-Ausgleich für Flug-Reisen

Fast eine Woche lang war ich Anfang Oktober in den USA - Geschäftsreise. Geflogen bin ich von Frankfurt über Philadelphia bis nach Raleigh/Durham - das ist eine ländliche Stadt in North Carolina.
Aufgrund der dabei von mir verursachten CO2-Emission will ich der Umwelt etwas gutes tun. Anbieter, bei denen man ein sog. CO2-Zertifikat kaufen kann, gibt es mittlerweile einige. Das CO2-Zertifikat ist eine Bescheinigung über einen von mir geleisteten Geldbetrag, der die Klimawirkung meines Flugs neutralisiert.

Die folgende Liste der Anbieter ist mit Sicherheit nicht vollständig.

Flüge und Klima
Der Flugverkehr ist heute schon für 9% des Treibhauseffektes verantwortlich [1]. Zudem ist die Schädlichkeit der durch Flugzeuge emittierten Schadstoffe aufgrund der Flughöhe 2 bis 4 Mal größer als auf dem Boden [2].

CO2-Ausgleich-Anbieter

Bei fast jedem Anbieter gibt es einen Emissionsrechner, bei dem man Start- und Zielflughafen eingeben kann oder auch die Distanz.

CO2OL

Zur Website von CO2OL | CO2-Ausgleich

Beim Emissionsrechner von CO2OL konnte ich leider meinen Zielflughafen in den USA nicht eintragen (das Programm kannte diesen Flughafen nicht). Berechnet hab ich das ganze dann mit Philadelphia als Zielflughafen.

Fakten:
Zurückgelegte Strecke (Hin- und Rückflug): 12.630 km, CO2-Emission: 4,17 t. Für den CO2-Ausgleich müsste ich 108 € springen lassen.

Wo fließt mein Geld hin und wie viel kommt wirklich an?
Mit diesem Geld wird in Zusammenarbeit mit dem Forstdienstleister Futuro Forestal in Panama aufgeforstet. Ca. 80 % der gespendeten Gelder fließen in die Umweltprojekte, 20 % in die Verwaltung.

Was ist das für ein Anbieter?
CO2OL ist ein eingetragener Verein und man erhält auf Wunsch eine Spendenbescheinigung.


atmosfair

Bei atmosfair konnte ich in den Emissionsrechner genau meine Flugstrecke eingeben.

Fakten:
Die berechnete CO2-Emission beträgt ca. 4,06 t. Also etwas mehr als bei CO2OL, was allerdings klar ist, weil CO2OL ja nur bis Philadelphia berechnet hat. Hier müsste ich für den CO2-Ausgleich 83 € bezahlen.

Wo fließt mein Geld hin und wie viel kommt wirklich an?
Atmosfair unterstützt mehrere Projekte in verschiedenen Ländern. In Indien wurde eine Solarthermie-Anlage aufgebaut, die für Großküchen die Energie liefert, in Thailand wird gerade eine Biogasanlage gebaut. Selbst in Deutschland hat atmosfair ein Projekt: Energiesparen an Schulen. Allerdings pflanzt atmosfair keinerlei Bäume, da atmosfair nur Projekte nach dem Gold Standard realisiert und hier keine Aufforstungsprojekte zugelassen sind (http://www.cdmgoldstandard.org: hier gibt es weitere Infos zum Gold Standard). Wie bei CO2OL fließen 80 % des Geldes  in die Projekte, 20 % in die Verwaltung und in das Marketing.

Was ist das für ein Anbieter?
Atmosfair ist eine gemeinnützige GmbH, so dass man auch Spendenquittungen erhalten kann.


greenmiles

Auch bei greenmiles konnte ich meine genauen Flugdaten eingeben.

Fakten:
4,47 t CO2-Emission. Der CO2-Ausgleich kostet mich hier 111,75 €.

Wo fließt mein Geld hin und wie viel kommt wirklich an?
Auch greenmiles unterstüzt keine Waldprojekte. Ein Projekt, das auf der Website angegeben wurde, ist der Bau einer Biogasanalage in Indien. 80 % des Geldes werden auch tatsächlich in die Klimaschutzprojekte gesteckt.

Was ist das für ein Anbieter?
Greenmiles ist eine normale GmbH, von der man anschließend eine Rechnung erhält.


PRIMAKLIMA-weltweit

Zur Website von PRIMAKLIMA-weltweit | CO2-Ausgleich

Bei PRIMAKLIMA-weltweit beruht die Berechnung auch auf meinen genauen Flugdaten.

Fakten:
ca. 2,86 t CO2-Emission, bezahlen müsste ich knapp 30 € für den CO2-Ausgleich.

Wo fließt mein Geld hin und wie viel kommt wirklich an?
Es werden vor allem Aufforstungsprojekte in der ganzen Welt, Walderhalt im Ausland und Moorrenaturierungen in Deutschland finanziert. PRIMAKLIMA-weltweit versucht 90 % der Spendengelder in die Umweltschutzprojekte zu investieren (was anscheinend (lt. Website) in den letzen Jahren nicht ganz erreicht wurde).

Was ist das für ein Anbieter?
PRIMAKLIMA-weltweit ist ein eingetragener Verein und auch hier erhält man eine Spendenbescheinigung


myclimate

Zur Website von myclimate | CO2-Ausgleich

Der Berechnung von myclimate liegen auch meine genaue Flugdaten zu Grunde.

Fakten:
3,172 t CO2-Emission. Bei myclimate.org kann ich mir zum Teil sogar raussuchen, wo mein Geld hinfließt. Entweder in Klimaschutzprojekte nur in Entwicklungsländern (Kosten für den CO2-Ausgleich: 75 €) oder mindestens 50 % des Geldes in Schweizer Klimaschutzprojekte und den Rest in Projekte in Entwicklungsländern (Kosten für den CO2-Ausgleich: 224 €).

Wo fließt mein Geld hin und wie viel kommt wirklich an?
Mindestens 80% des Geldes fließen in Klimaschutzprojekte (Bau von Biogasanalgen, Bau eines Windparks...), die in Entwicklungs- und Schwellenländern (Indien, Südafrika, Indonesien...) und auch in der Schweiz durchgeführt werden. Auch hier werden nur Klimaschutzprojekte entsprechend dem Gold Standard unterstützt.

Was ist das für ein Anbieter?
Myclimate besteht aus einer Stiftung und einem Verein, die gemeinnützig und von Steuern befreit sind. Seinen Sitz hat myclimate in der Schweiz.

Mein CO2-Ausgleich-Anbieter

Mein CO2-Zertifikat - CO2-Ausgleich für Flug

Ich hab mich für atmosfair entschieden. Weiß nicht genau warum, aber irgendwie haben die mir am besten gefallen. Zudem kann man die Berechnung der Emissionen dort noch genauer durchführen als bei allen anderen hier aufgeführten Anbietern, wenn man Flugzeugtyp, Flugklasse und Linie/Charter eingibt.

Die Berechnung der CO2-Emission ist bei allen Anbietern unterschiedlich, da die Anbieter unterschiedliche Berechnungsformeln verwenden. Auch der Preis pro Tonne CO2-Emission ist unterschiedlich, da der Preis u.a. von den durchgeführten Projekten abhängt.

Zum Veranschaulichen: während meines Hin- und Rückflugs hab ich zwischen 2,8 und 4,5 t CO2 ausgestoßen. Dies entspricht der CO2-Emission eines Autos mit einer Fahrleistung zwischen 13.000 und 20.000 Kilometern.
Zum Vergleich: Ein Inder emittiert nur ca. 900 kg CO2 im Jahr!

Auch wenn der Kauf von CO2-Zertifikaten das Gewissen beruhigt, sollte diese Möglichkeit des CO2-Ausgleichs kein Freibrief für das Fliegen sein.

Übrigens: CO2-Ausgleich ist auch sinnvoll für die gefahrenen Kilometer mit dem Auto oder mit der Bahn…. Allerdings gibt es hierfür auch noch andere Anbieter für den CO2-Ausgleich. Dazu folgt später noch ein weiterer Artikel.

Egal für welchen Anbieter Ihr Euch entscheidet: Der Umwelt tut ihr mit dem CO2-Ausgleich auf jeden Fall was gutes!

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16 Kommentare
#16 Tommy schrieb am 02.11.2011 21:10 answer

UUpa page vergessen anzugeben. Hier ist sie

projekt-chanchamayo.jimdo.com

#15 Tommy schrieb am 02.11.2011 19:44 answer homepage

Toller Artikel. Interessante Meinungen. Schaut doch mal auf die angegebene Page. Mir scheint dass das in die richtige richtung geht.

#14 Stefan schrieb am 22.04.2011 11:04 answer

www.greenpeace-magazin.de/index.php

Ein fundierter und kritischer Bericht von Greenpeace zu dem Thema. Wichtig ist es, auf den "Gold Standard" zu achten.

Als guter Anbieter wird in dem Text atmosfair (im übrigen gemeinnützig wie nicht alle der hier erwähnten Anbieter) erwähnt.

#13 Josef Ackermann schrieb am 28.05.2010 22:54 answer homepage

Ab übernächster Woche soll es bei der Londoner Stock Exchange ebenso mehrere Zumselzertifikate (sehr interresant für eingefleischte Loriot Fans) , ein Hoffentlich-fällt-mir-der Himmel-nicht-auf-den Kopf Zertifikat (für Asterix Comic Leser) und ein Holzzertifikat (für sonstige Holzköpfe) geben. Diese Zertifikate können ab 23.7. direkt über die Deutsche Bank geordert werden. Bitte beachten Sie beim Kauf hierbei auf das Emittentenrisiko.

 

Evil

#10 alpenhans schrieb am 03.11.2008 07:12 answer

Ein sehr interessanter Artikel. Ich bin gerade dabei, mich mit dem Thema zu befassen und bin dabei auf eine völlig neue Technik der CO2-Senke gestossen, jedenfalls habe ich da vorher noch nichts von gehört:

 

philippinen-projekte.de

 

Die machen aus landwirtschaftlichen Abfällen Holzkohlepulver und arbeiten das in die Ackerböden ein. Damit soll das CO2 (bzw. der Kohlenstoff) dauerhaft der Atmosphäre entzogen werden.

 

Was haltet Ihr davon?

#11 Christian schrieb am 03.11.2008 07:33 answer homepage

Auch wir haben von diesem Projekt leider noch nie etwas gehört - aber das hat natürlich nichts zu bedeuten. Genausowenig, wie das die Projekt-Homepage optisch wenig professionell scheint.

Würde uns interessieren, wenn jemand von seinen Erfahrungen im Zusammenhang mit diesem Projekt berichten kann"

#9 Me Peters schrieb am 31.10.2008 08:08 answer homepage

schaut mal bei www.ökoflug.de da kann man fliegen und spenden in einem. Die suchen einem den günstigsten Flug mittels einer Flugsuche heraus und spenden einen Teil des Flugpreises am Klimaprojekte

#8 Klasse 10 A schrieb am 25.04.2008 11:09 answer

Haben damit ungefähr 1 Stunde lang im Unterricht darüber diskutiert. Ist ziemlich interessant und alle waren ziemlich beeindruckt

#5 Giz schrieb am 19.04.2008 08:41 answer

Vielen Dank für diese tolle Übersicht der mir teilweise neuen Anbieter. Ich habe bereits seit 2006 Flüge "neutral gestellt", aber versuche nicht immer den gleichen Anbieter zu wählen um etwas Streuung zu erzeugen.

 

Zum Kommentar von Herrn Emse, bezüglich der Aufforstungsprojekte gibt es aber noch eine andere Sichtweise.

 

Test.de: Der CO2-Effekt durch aufgeforstete Wälder ist nach Ansicht von Experten umstritten. Brennt der Wald ab, entweichen der in den Bäumen gespeicherte Kohlenstoff wieder als Kohlendioxid-Emission.

 

Dieses Thema spricht auch PrimaKlima selbst unter "Risiken des Aufforstungsweges" an.

 

Ich will damit diese Projekte nicht schlecht machen (habe selbst schon an CO2OL gespendet), aber aus diesem Grund versuche ich unterschiedliche Anbieter zu wählen.

 

Weitere Übersicht zu Projekten unter:

www.test.de/themen/umwelt-energie/meldung/-Klimabewusste-Flugreisen/1522263/1522263/1522446/default.ashx

#6 Giz schrieb am 19.04.2008 09:22 answer

Habe mich jetzt gerade gegen PrimaKlima entschieden, da auf der Seite zwar ein angeblich sicheres Lastschriftverfahren möglich ist "(Die Angaben werden selbstverständlich streng vertraulich behandelt)", aber das Formular nicht SSL gesichert (verschlüsselt) ist.

Dies ist jetzt nur ein rein technischer Grund aber ich habe kein Vertrauen in eine Organisation die persönliche Daten ohne jeglichen Schutz über das Netz verschicken lässt. Schade eigentlich.

#7 Christian schrieb am 19.04.2008 11:14 answer homepage

Hallo Giz, vielen Dank für Deine Beiträge. Wir haben das auch mal so an Herrn Emse weitergeleitet.

#12 Christian schrieb am 23.03.2009 07:42 answer homepage

Hallo Giz,

 

PrimaKlima hat übrigens aufgrund Deiner Kritik auf ein verschlüsseltes Verfahren (SSL) umgestellt...

#2 Horst Emse schrieb am 15.11.2007 11:56 answer homepage

Sehr geehrter Herr Clemens, grundsätzlich finde ich Ihre Information gut und nützlich. So ganz glücklich bin ich darüber aber nicht. ........Zum einen: gleich zu Beginn verwenden Sie (mit Schmunzeln) den Begriff "Ablassbrief" und am Schluss sprechen Sie von Zertifikaten, die das Gewissen beruhigen. Nein! Beim "Ablassbrief" wird eine scheinbare Wiedergutmachung verkauft, die den angerichteten Schaden in keiner Weise ausbügelt. Anders bei technischen oder biotischen Kompensationsmaßnahmen: sie sorgen wirklich dafür, dass an einer Stelle nicht vermiedene CO2-Emissionen an anderer Stelle vermieden, also kompensiert werden oder dass mittels biotischer CO2-Entsorgung durch zusätzlichen Wald eine der Emission entsprechende CO2-Menge der Luft wieder entzogen wird. Für den, der nachhaltig leben will, ist es in meinen Augen Pflicht, entweder über den einen oder den anderen Weg für Wiedergutmachung zu sorgen. ...... Zum zweiten: Bei der biotischen Entsorgung über PRIMAKLIMA-weltweit.de und der Zahlung der o.g. 30,- € werden so viele Bäume gepflanzt, dass die fragliche CO2-Menge binnen 10 Jahren (linearisiert betrachtet) der Luft entzogen sein wird. (Auch die Projekte von z.B. atmosfair kalkulieren in der Regel für die vollständige Kompensation 10 Jahre.) Nach 50 Jahren (Projektzeit bei PRIMAKLIMA; so lange werden die Bäume ja wohl mindestens wachsen) wird die fünffache Menge entsorgt sein, die fünffache Menge dessen, was die technischen Projekte leisten. Da kommt es auf eine derart präzise Berechnung, wie sie z.B. atmosfair vornimmt, wohl nicht an. Wenn man dazu noch bedenkt, welche zusätzlichen Vorteile zusätzlicher Wald für die Pflanzregion bringt, dann erst erscheint die Kosteneffizienz der Maßnahmen von PRIMAKLIMA im richtigen Licht.

#3 Christian schrieb am 15.11.2007 12:36 answer

Hallo Herr Esme, vielen Dank für Ihren Expertenbeitrag! Sie haben recht: jetzt ist klar, warum bei PRIMAKLIMA-weltweit.de für Kikis Flug nur 30 € berechnet werden.

#4 Kiki schrieb am 15.11.2007 12:41 answer

Vielleicht noch ein Satz zum Begriff "Ablassbrief". Der CO2-Ausgleich ist natürlich eine gute Sache und er ist auch keine scheinbare Wiedergutmachung, sondern es wird ja auch tatsächlich was getan. Allerdings könnten manche Menschen das nun so auffassen, dass sie damit jedes Wochenende einen Tag zum Shoppen nach Mailand, London, Paris oder New York fliegen können. Dieses Verhalten empfinde ich nicht als ökologisch und lehne es daher ab.

#1 Christian schrieb am 15.11.2007 10:08 answer

Hut ab, Kiki! Dass Du wirklich so viel Geld für den CO2-Ausgleich eines einzigen Flugs springen läßt, ich bin echt baff!

Auf Beitrag #9 antworten

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